Kirche und Mobilfunk

Bild aus Video Katholische Sonntagszeitung
Bild aus Video Katholische Sonntagszeitung

Smartphonegottesdienst: Ist das der richtige Weg zu Gott?

Livestream des Sonntagsgottesdienstes im Internet, WLAN im Gotteshaus, Glockengeläut per MP3, Fürbitten per E-Mail... Die St. Simpert Kirche (siehe Video) in Dinkelscherben ist neben der St. Goar Gemeinde in Flieden eine der  Kirchen in Deutschland, die einen Smartphone-Gottesdienst anbietet.

Man will dadurch mehr Frequenz in den Gottesdiensten und generell die Jugend erreichen. Dieser Wunsch ist natürlich legitim. Ob das über die Faszination Smartphone erzielt werden kann ist sehr fragwürdig. Angesichts der über 500.000 Internetsüchtigen Menschen in Deutschland, die rastlos immer und überall, meist drahtlos, das Web durchstreifen, ein zweifelhaftes, vielleicht sogar unverantwortliches Handeln. Denn die Tendenz zu immer mehr Vereinsamung und Überforderung durch die Nutzung digitaler Endgeräte ist offensichtlich und alarmierend. Verantwortungsvolle Eltern sollten ihre Kinder von Smartphones und Tablets solange fernhalten, bis diese Kinder und Jugendliche eigenverantwortlich damit umgehen können. Dieser Ansicht sind mittlerweile immer mehr Psychologen, Neurologen und Pädagogen (siehe Internat Salem).

 

Mittlerweile gibt es nicht wenige Klöster, die sich Burnout-leidenden Menschen annehmen und eine Smartphone- und Internetfreie Zeit, eine digitale Kur, verordnen. Wenn man das weiß, muss man sich fragen, ob es sinnvoll ist, gerade Kinder und Jugendliche, für die heutzutage eine Stunde ohne Smartphone  schon eine große Herausforderung ist, auch noch im Gotteshaus online zu bespaßen? Muss man die Faszination ohne Berücksichtigung der negativen Nebenwirkungen gerade bei den Kindern weiter anfachen? Und muss ein Gottesdienst wirklich Eventcharakter haben, um Kindern Gottes Wort näher zu bringen? Ist die Kirche kein Ort mehr der Besinnung sondern ein Chatroom mit Free-WLAN und Flatrate? WhatsApp statt Beichte und Facebook statt Bibel? Warum dann noch ins Gotteshaus, wenn man einfach googeln kann.


Kommentar: Markus Hofmann


 Der Filmbeitrag zum Thema

Foto: Privat Prof. Dr. theol. habil. Werner Thiede (Regensburg) ist Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Bayern und Publizist. An der Theologischen Fakultät der Universität Erlangen-Nürnberg lehrt er Systematische Theologie (Dogmatik/Ethik
Foto: Privat Prof. Dr. theol. habil. Werner Thiede (Regensburg) ist Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Bayern und Publizist. An der Theologischen Fakultät der Universität Erlangen-Nürnberg lehrt er Systematische Theologie (Dogmatik/Ethik

Gott liket mich nicht- Er liebt mich

Werner Thiede: Als Christenmensch bin ich sensibilisiert für die Freiheitsthematik. Und ich beobachte, dass die digitale Revolution neben den neuen Freiheiten, die sie in manchen Bereichen mit sich bringt, Menschen oft auch unfreier macht. Denken Sie nur an die äußeren und inneren Abhängigkeiten von digitalen Apparaten, die sich bis zur Sucht steigern können.

 

Das gesamte Interview ist hier zu lesen:

http://www.predigtpreis.de/nc/predigtpreisnewsletter/news/article/gott-liket-mich-nicht-er-liebt-mich.html


Weiterer Bericht im Sonntagsblatt Bayern

http://www.sonntagsblatt-bayern.de/news/aktuell/2014_08_01_01.htm


Werner Thiede

Mythos Mobilfunk

Kritik der strahlenden Vernunft

oekom verlag, München 2012

302 S., 19,95 € (als E-Book 15,99 €)

ISBN 978-3-86581-404-3

Werner Thiede

Die digitalisierte Freiheit. Morgenröte einer technokratischen Ersatzreligion

258 S., LIT Verlag (Berlin/Münster)

2. Aufl. 2014, 24,90 €, E-Book: 19,90 €

ISBN 978-3-643-12401-2